Beratungsverlauf:
Hauptausschussvorsitzender Buth eröffnet die Sitzung und begrüßt die Anwesenden.
Er stellt die ordnungsgemäße Einladung und die Beschlussfähigkeit des Gremiums fest. Entschuldigt fehlt Ratsherr Koll, der von Ratsherrn Kruppa vertreten wird.
Vor Eintritt in die Tagesordnung erinnert der Vorsitzende daran, dass am heutigen 08. März 2021 der jährliche Internationale Frauentag begangen wird. In Abstimmung mit der Bürgervorsteherin und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Plön wendet er sich aus diesem Anlass an das Publikum.
„Meine Damen und Herren, der heutige Internationale Frauentag ist nicht die Fortsetzung des Muttertages mit anderen Mitteln.
Er geht zurück auf die Initiative von sozialistischen Organisationen vor dem Ersten Weltkrieg und wurde erstmals am 19. März 1911 in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark und Ungarn begangen. Vorrangiges Ziel der Initiative war die Erlangung des Frauenwahlrechts. Dieses Recht ist heute bei uns selbstverständlich und Sie stimmen mit bestimmt zu, dass es von keinem ernsthaft in Frage gestellt wird.
Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland im Rahmen der Novemberrevolution 1918 eingeführt.
Während der Weimarer Republik gab es zwei Frauentage, den kommunistischen am 08. März und den sozialdemokratischen, der an kein festes Datum gebunden war.
Die Kernforderungen in der Zeit waren:
- Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge
- Senkung der Lebensmittelpreise
- Regelmäßige Schulspeisungen
- Recht auf legalen Schwangerschaftsabbruch
Zwischen 1933 und 1945 war der Frauentag in Deutschland verboten. In der NS – Zeit wurden traditionelle Frauenbilder propagiert. Der Muttertag entsprach dem Leitbild der Frau in der nationalsozialistischen Gesellschaftsordnung. 1946 wurde der Frauentag in der SBZ wieder eingeführt. In der späteren DDR mutierte er dann im Laufe der Zeit zu einem sozialistischen Muttertag.
In der alten BRD gewann der Frauentag erst Ende der 1960er Jahre durch das Engagement der Frauenbewegung wieder an Bedeutung.
1975 erklärten die Vereinten Nationen den 08. März zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und für den Frieden“. Dennoch führte der Tag in der alten BRD eher ein Schattendasein.
Seit Mitte der 1990er Jahre erlebte der Frauentag ein Comeback.
Während der Frauentag in den neuen Bundeländern in vielen Betrieben immer noch zur Alltagskultur gehört, hat er im gesamten Land einen Bedeutungswandel erfahren. Er rückte vom linken Rand in die Mitte der Gesellschaft.
In Berlin ist der Frauentag heute ein arbeitsfreier Feiertag.
Wenn Alice Schwarzer fordert: „Schaffen wir ihn endlich ab, diesen gönnerhaften 08. März“, dann lässt sich trefflich darüber streiten, ob und wie man diesen Tag begeht. Wenn ich jetzt hier in die Runde der Ausschussmitglieder gucke, dann stelle ich fest:
Der Ausschuss setzt sich überwiegend aus alten weißen Männern zusammen, was mich mit einschließt.
Es ist plakativ, was ich jetzt sage, und man kann jede Aussage analysieren und versuchen, die Unterschiede zu begründen, aber: 80 % der Mitarbeitenden in systemrelevanten Berufen sind Frauen.
Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind Fakt. Übermorgen ist der Equal Pay Day. Bis dahin haben Frauen, gleiche Bezahlung wie Männer vorausgesetzt, quasi umsonst gearbeitet.
Frauen leisten weltweit 12 Milliarden Stunden unbezahlte Care – Arbeit, jeden Tag.
Ich bin überzeugt, dass wir von dem Ziel „Gleichheit“ in Form von gleichen, fairen Chancen und Gleichberechtigung noch ein ganzes Stück entfernt sind.
Ich will nicht gönnerhaft wirken und überreiche heute auch keine Rosen. Ich habe auch keinen Rat, wie man den Tag angemessen begehen soll.
Aber, liebe Mitbürgerinnen, kämpfen Sie für Ihre Rechte.“