Beratungsverlauf:
Die Bürgervorsteherin bittet zunächst zur Abstimmung über die formelle Abberufung. Frau Torges hatte aus persönlichen Gründen um ihre Abberufung zum 31. 03. 2022 gebeten.
Beschluss:
Dem Antrag der ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Plön, Frau Ulrike Torges, auf Abberufung aus persönlichen Gründen zum 31. 03. 2022 wird entsprochen.
Abstimmungsergebnis:
Ja-Stimmen: 18 Nein-Stimmen: 0 Enthaltungen: 0
Die Vorsitzende bittet sodann Frau Torges an das Rednerpult.
Die scheidende ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte führt aus, dass sie nach rund 14 ¼ Jahren Tätigkeit für die Stadt Plön in gleicher Funktion, aber nunmehr hauptamtlich, zur Stadt Preetz wechselt. Dort wurde sie bereits von der Stadtvertretung ab dem 01. April 2022 zur Gleichstellungsbeauftragten bestellt. Sie beschreibt ihre Aufgaben als, von außen betrachtet, wenig spektakulär. Neben dem stetigen Aufbau eines dichten Netzwerks und persönlichen Beratungsgesprächen war eine ihrer Haupttätigkeiten die Begleitung von Personalauswahlverfahren, die in den letzten Jahren stetig zugenommen haben. Sie bedankt sich bei den für das Personalwesen der Stadt Plön verantwortlichen, zunächst bei Herrn Seibler, dann aktuell bei Frau Titze, Frau Schöning und Herrn Ohms für die immer gute und korrekte Zusammenarbeit. Neben den offiziellen Sprechzeiten war es teilweise notwendig, individuelle Gespräche zu führen, so z. B. im Fall einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter von drei Kindern mit Migrationshintergrund auch abends um 21.00 Uhr telefonisch vom heimischen Büro aus. Diese Situation mag machen ehrenamtlichen Politiker:innen oder auch Beauftragten bekannt vorkommen. Solange ein Ehrenamt nicht die gesamte Familien- und Freizeit ausfüllt, ist dies für sie auch vertretbar. Die Bürgermeister der Stadt Plön, Jens Paustian und Lars Winter, die ihre Dienstherren waren bzw. sind, haben die Weisungsungebundenheit des Amtes der Gleichstellungsbeauftragten immer akzeptiert. Dies ist zwar eine gesetzliche Forderung, aber die Lebenswirklichkeit entspricht bekanntlich oft nicht den gesetzlichen Vorschriften. So hatte sie viele Fortbildungen und Sitzungen zu frauenspezifischen Themen auf kommunaler, aber auch auf Landesebene und hierbei ihr eigenes Frauennetzwerk ständig erweitern und diversifizieren können. Feministisch geprägte Politik ist ein Gewinn für jede Gemeinschaft und es ginge dabei um kluge Verhaltensweisen, die leider noch viel zu oft belächelt werden. Sie ist dabei immer wieder auf Frauen gestoßen, die nicht nur von praktischer Hilfe und Empathie für Geflüchtete, Unterstützung schwächerer Mitglieder der Gesellschaft, nachhaltiger Wirtschaft oder Klimafreundlichkeit reden, sondern sie im Alltag leben. Diese Frauen, aber auch Männer, die das Anliegen der Frauen unterstützen, gibt es hier vor Ort. Sie sollten Gehör finden und unabhängig von Parteipolitik in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Ebenso gestaltete sich die Kooperation mit den Beauftragten und Beiräten in den zurückliegenden Jahren zu einer sinnvollen Ergänzung der Gleichstellungsarbeit. Sie zitiert die Worte des ehemaligen Kreispräsidenten Sönnichsen: „Ehrenamt muss Spaß machen.“ Es bleibt allerdings weiterhin ihre Überzeugung, dass eine umfassende Gleichstellungsarbeit ehrenamtlich nicht zu leisten ist. Das Zauberwort heißt nun einmal Kooperation, nicht Konfrontation, solange die zivilgesellschaftlichen Spielregeln von allen Beteiligten eingehalten werden. Sie bittet um den Besuch der nächsten von ihr eingeführten „Marktweibertische“ in Preetz und Plön am 06. 04. und am 08. 04.. Selbstverständlich sind auch Männer dort gern als Diskussionspartner gesehen.
Frau Torges äußert den Wunsch, dass ihre bisherige Stelle möglichst bald nachbesetzt wird und bedankt sich abschließend herzlich bei ihrer Zuhörerschaft.
Erster Stadtrat Koll betont, dass die Stadt Plön Frau Torges ungern ziehen lässt. Er verdeutlicht, dass sie über 14 Jahre lang, seit dem 01. 01. 2008, ihre Spuren in der Gleichstellungsarbeit der Stadt hinterlassen hat. Neben den extern ausgerichteten Facetten ihrer Tätigkeit war sie an allen behördeninternen Entscheidungen beteiligt, für die Gleichstellungsgesichtspunkte eine Rolle spielen, so auch am Sichten von Bewerbungsunterlagen. Er hebt insbesondere die Begleitung von Personalentscheidungen des hierfür zuständigen Hauptausschusses hervor. Frau Torges war u. a. an den jährlichen Behindertengesprächen, den Neubürger:innenempfängen, der Beratung von Benachteiligten und dem Weiterhelfen beim Finden von zuständigen Stellen entweder federführend oder mitwirkend. Ihre Sprechstunden, sowohl im Rathaus als auch später im Bürgerbüro und im Osterkarree, nutzten Hilfesuchende, um sich Rat für die Lösung ihrer Probleme zu holen. Vom Aufbau einer kommunalen Vernetzung zeugen ihre Mitgliedschaften, z. B. im frauenpolitischen Beirat Kreis Plön, in der Landesarbeitsgemeinschaft der ehrenamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Schleswig – Holstein und die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen auf Landes- und Bundesebene. Erster Stadtrat Koll stellt besonders die Ehrung durch Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsident Günther in Berlin im Jahr 2018 heraus, als eine von drei ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten aus Schleswig – Holstein. Die Organisation von Frauentagen und Vorträgen, wie z. B. zum Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“, das Frauenfrühstück oder, von 2010 bis 2014, den „Unternehmerinnenstammtisch“, waren ebenfalls Bestandteile ihrer Arbeit.
Erster Stadtrat Koll überreicht Frau Torges zum Abschied ein Präsent der Stadt Plön sowie einen Blumenstrauß, bedankt sich nochmals für die geleistete Arbeit und wünscht ihr für ihre zukünftige Aufgabe viel Freude.