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Aktueller Sachstand zur Sanierung der B 76 Trent bis Plön
Stadt Plön sucht dringend Wohnraum zur Unterbringung von Geflüchteten
Aufgrund personeller Engpässe - Einschränkung der Sprechzeiten im Bürgerbüro
Stadtgrün Häuser Grünbewuchs
Beratungsverlauf:
Der Vorsitzende stellt eingangs Herrn Karsten Schwormstede, freischaffender Stadtplaner und Architekt, vor, der die Maßnahme für die Stadt Plön begleitet.
Auf Bitten des Ausschussvorsitzenden trägt Herr Schwormstede zu dem bisherigen Verlauf der vorbereitenden Arbeiten vor. Am 17. August 2020 fand eine Analysewerkstatt auf der Schwentineplattform statt. Hier konnten Anwohner und Interessierte ihre Vorstellungen äußern und eigene Ideen einbringen. Es ist nunmehr zu eruieren, welche von den eingebrachten Vorschlägen konkret umsetzbar sind. Mittlerweile liegen auch erste Ergebnisse der Verkehrserhebungen rund um den Bahnhof vor; derzeit befindet man sich an der Schnittstelle zwischen Analyse und Konzepterstellung. Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ist weitestgehend, bis auf den Kreis Plön, abgeschlossen. Jedoch hat die Kreisverkehrsbehörde bereits ein zustimmendes Votum abgegeben.
Entscheidende Punkte sind die Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsarten am Bahnhof, die Steigerung der Qualität der Schwentine als Wasserwanderweg und im Bereich des Bootshafens. Als negativ wurden der Bahnhofsvorplatz, die Eingangssituation Krabbe und die Schwentineplattform bewertet.
Weiterhin wurden folgende Anregungen bzw. Kritikpunkte geäußert:
- die zu kurzen Öffnungszeiten der TIP
- eine bessere kulturelle Nutzung des Bootshafens
- Anpassung der projektierten Bebauung Bahnhofstr. 8 – 9 an die Umgebung
(kleinteiliger)
- Begrünung des Pferdemarkts
- Bahnhofsvorplatz mit Brunnen
- Erhaltung der Bestandspavillons
- Schaffung von mehr Sitzmöglichkeiten an der Promenade
- gärtnerische Gestaltung des Hangs zwischen Strohberg und Reeperbahn
- Verlegung der Parkplätze am Bahnhof an den alten Güterbahnhof
- Vergrößerung der Fahrradunterstände
- ZOB unmittelbar an den Bahnhof verlegen, ohne dass eine Straße überquert
werden muss
- Beruhigung des fließenden Verkehrs
- Überlegung einer anderen Verkehrsführung
- fehlende direkte Verbindung von Bahnhof und Seepromenade
Sodann bittet der Vorsitzende Herrn Stefan Luft, Verkehrsplaner (Büro Urbanus), um seinen Beitrag.
Herr Luft betont die Bedeutung sowohl des fließenden als auch des ruhenden Verkehrs in dem Erhebungsgebiet, das den bedeutendsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt Plön, auch für den ÖPNV, darstellt. Im September 2020 fanden zwei Video – gestützte Untersuchungen im Bahnhofsumfeld statt. An den als repräsentativ geltenden Stichtagen Montag, Dienstag und Mittwoch wurden stündlich parkende Fahrzeuge hinsichtlich Anzahl, Verweildauer und Herkunft (Kennzeichen) erfasst. An anderen Wochentagen wurden Stichproben gezogen. Um eine eventuelle Häufung von verkehrlichen Konfliktsituationen dokumentieren, sind die Aufnahmen mehrerer Videocams ausgewertet worden. Es konnten keine Konfliktsituationen festgestellt werden.
Die Auslastung der Parkplätze im Untersuchungsgebiet zeigt sich im Mittelfeld; eine Ausnahme bildet der Gänsemarkt, dessen sechs Parkierungsflächen nahezu dauerbelegt sind. An Wochenmarkttagen ist die Belegung im Durchschnitt etwas höher, ebenso an den Wochenenden durch Gäste. Der Anteil der “Fremdparker” ist zwar relative hoch, die Fahrzeuge mit “PLÖ – Kennzeichen” überwiegen aber.
Die Messungen der Verkehrsbewegungen ergaben rund 4.200 pro Tag; dies ist weniger, als in manchen Wohnstraßen. In der Lübecker Straße verringert sich die Verkehrsmenge, um dann am Gänsemarkt mit rund 2.000 Vorbeifahrten einen Tiefpunkt zu markieren.
Der Radverkehr stellt mit rund 1.500 Fahrten etwa ¼ der Verkehrsbelastung. Die Ausweisung der Bahnhofstraße als Fahrradstraße erweist sich somit als sehr sinnvoll.
Ratsherr Möller hinterfragt den Verbleib der nicht unerheblichen Fahrzeuganzahlen.
Herr Luft schätzt, aufgrund von kaum vorhandenen anderen Möglichkeiten, dass ein Großteil derer um den ZOB herumfährt und wieder in Richtung Lütjenburger Straße abbiegt.
Für Ratsherrn Buth ist die Bedeutung der Straße für den Radverkehr noch größer, als die bloßen Zahlen es erkennen lassen. Viele Radfahrer fahren in Richtung Innenstadt. Besonders ausgeprägt ist der Radverkehr in den Mittagsstunden.
Nur wenige Buslinien sind auf einen Anschluss an die Abfahrtzeiten der Züge ausgerichtet. Er stellt die Notwendigkeit in Frage, dass viele Schüler unbedingt am ZOB ein- und aussteigen müssen.
Die Bahnhofstraße birgt aus seiner Sicht noch viel Potenzial für Radverkehr im Sinne eines “Shared Space”.
Die Anzahl der Parkplätze könnte eventuell reduziert werden, so Herr Luft. Aus planerischer Perspektive ist die Einführung eines einheitlichen Parkgebührentarifs zu präferieren.
Bürgerliches Mitglied Gampert vermisst die Berücksichtigung des Fußgängerverkehrs zum und vom Bahnhof. Viele Zuwegungen, wie z. B. die zwischen REWE und Lübecker Straße 12, sind nur sehr schmal.
Herr Luft sieht darin einen der nächsten Planungsschritte.
Ausschussvorsitzender Melzer wünscht die Zeitschiene der Planung zu wissen.
Herr Schwormstede rät dazu, die weitere Vorgehensweise später abzustimmen.
Ratsherrn Wegeners Frage zielt darauf ab, ob sich nach der Beurteilung der Planer Friktionen mit dem Wohnungsbauvorhaben Bahnhofstraße 8 / 9 ergeben könnten. Beide Maßnahmen sollten seinem Erachten nach parallel entwickelt werden.
Herr Schwormstede sieht eine Wechselwirkung zwischen beiden Planungen. Das Projekt sollte vom Prinzip her nicht verhindert werden; es ist anzustreben, das Umfeld des Bahnhofs zu beleben. Die bisher vorgesehenen Terrassen im Hochparterre der Wohnungsbauten würden dies jedoch konterkarieren. Er spricht sich dafür aus, das Haus Bahnhofstraße 7 (“Plöner Dampfer”) in den Gesamtkomplex mit einzubeziehen. Eine wichtige Aufgabe der Städtebauförderung ist es auch, grundstücksübergreifende Planungen zu konzipieren. Hierzu bedarf es allerdings eines weiter gesteckten Zeitrahmens.
Bürgermeister Winter berichtet von einem Gespräch mit den Eigentümern; er wird im nicht öffentlichen Teil auf Details eingehen.
Ratsherr Buth schließt sich Herrn Schwormstedes Argumentation an; er erinnert an das Gebäude Lübecker Straße 9; auch hier führte keine Ad hoc – Entscheidung zu der letztlichen Lösung, sondern ein sorgfältiges Abwägen und ein abgestuftes Vorgehen.
Die Pavillons gegenüber dem Bahnhofsgebäude sind für ihn stadtbildprägend. Anbauten und Werbeanlagen haben dazu beigetragen, den ursprünglichen Charakter zu verwässern. Hier sollte nach einer Form der Einflussnahme gesucht werden.
Er ist sich über die Notwendigkeit weiterer Beherbergungsbetriebe in Plön im Klaren. So bringt das Max – Planck – Institut Gäste in Ermangelung örtlicher Kapazitäten bereits im Plöner Umland unter. Er erkennt einen Bedarf für ein 3 – Sterne Hotel mit etwa 80 Betten in der Stadt. Der ZOB erscheint ihm überdimensioniert. Unter Einbezug des Postareals ließe sich ein derartiges Projekt realisieren.
Für Herrn Schwormstede als Stadtplaner stellen die Resultate der Zählungen ideale Ansätze dar, von der Wahrnehmung her neu zu denken. Die Bahnhofstraße weist noch die selbe Breite auf, wie zu Zeiten als B 76 / B 430. Demgegenüber fallen die Bürgersteige zu schmal aus. Es ist an der Zeit, mehr Platz zu schaffen und die Nutzungsvielfalt zu erweitern. Er empfiehlt, die Werbeanlagensatzung auch auf die Bahnhofstraße auszudehnen. Büroflächen sollten zugunsten höherwertiger Geschäfte vermieden werden.
Ratsherr Möller befindet den Denkmalschutz als geeigneten Hebel, z. B. Werbeanlagen dezent anzupassen. Im Hinblick auf die Verkehrsbelastung interessieren ihn hauptsächlich zwei Dinge: Zum einen der Anwohneranteil und zum anderen die Möglichkeiten einer optimierten Verkehrslenkung. So hatte seine Fraktion schon vor über 10 Jahren das Setzen eines Pollers am Eingang der Lübecker Straße propagiert, um die Innenstadt stärker zu verkehrsberuhigen.
Zu Ersterem bedürfte es einer Beobachtung der Fahrzeugbewegungen nach 19 Uhr, wie Herr Luft ausführt. Des Weiteren besteht ein komplexes System von Fußgängern/Radfahrern/Kraftwagen und ÖPNV. Die Lübecker Straße unterliegt hingegen anderen Anforderungen.
Ratsfrau Meyer macht darauf aufmerksam, dass dem Fußgängerverkehr bislang wenig Beachtung gezollt wurde. Sie wünscht sich in dieser Hinsicht exaktere Zahlen.
Umweltschutzbeauftragter Kuhnt hält eine verstärkte Grüngestaltung der Bahnhofsumgebung für geboten. Es besteht aus den 1970er / 1980er Jahren ein hoher Versiegelungsgrad, den es zu verringern gilt. Die Stadt Plön bemüht sich auch in anderer Hinsicht, eine Entsiegelung voranzutreiben.
Im Verhältnis zur Verkehrsdichte ist sehr viel Raum vorhanden; dieser kann anderen Zwecken zugeführt werden, die sich in das Gesamtkonzept einpassen lassen. Für ihn ist die Umnutzung des Postgebäudes in einen Hotelleriebetrieb, vorbehaltlich der jetzigen Eigentumsverhältnisse, denkbar. Im Nahbereich ist in Form der Seeuferregion eine hinreichende Grünversorgung gegeben. Zur Auflockerung des Bahnhofsvorplatzes erscheinen ihm Pflanzbeete ausreichend.
Umweltschutzbeauftragter Kuhnt bezeichnet den Bahnhof als für viele die erste Begegnung mit Plön. Plön positioniere sich in Naturnähe. Dies müsse auch im Entreebereich erlebbar gemacht werden.
Herr Schwormstede betont, dass nicht nur städtebauliche Maßnahmen zum Gesamtkonzept gehören, sondern auch Freiräume zu berücksichtigen sind. In der nächsten Woche werden die Konzepte zusammengetragen und mit Verkehrsplanern sowie Vertretern der Telekom, der VKP u. a. ein Brainstorming abgehalten. Die ausformulierten Ideen sollen dann in einer Konzeptwerkstatt diskutiert werden, was aber nicht vor Januar / Februar 2021 der Fall sein wird.
Vorsitzender Melzer bittet darum, die Zeitschiene im Blickfeld zu behalten.
Herr Schwormstede geht davon aus, dass noch im November / Dezember dieses Jahres die Lenkungsgruppe erneut zusammentreten wird, um Gedankenspiele und Anregungen zu diskutieren.
Mit den Investoren und Planern der Vorhaben Bahnhofstraße 8 u. 9 sollte dauerhaft das Gespräch gesucht werden, um nach Möglichkeit eine Kongruenz zwischen deren Vorstellungen und denen der Stadt herzustellen.
Ratsherr Möller schlägt vor, die nächste Sitzung der Lenkungsgruppe zum Anlass zu nehmen, darüber zu sprechen, ob der Planungsstand mit den bisherigen Vorstellungen konform geht. Dieser Kenntnisstand sollte dann in die Fraktionen gegeben werden um feststellen zu können, ob und wie die “Parallelität” funktioniert.
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