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ALLRIS - Vorlage

Verwaltungsvorlage - VO/RV/2021/2262

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

Eine der 25 Maßnahmen des integrierten Klimaschutzkonzeptes ist die Erstellung eines energetischen Quartierskonzeptes für den Bereich Plön-Südwest. Die Maßnahme wurde bereits im Jahr 2020 vorbereitet und das Konzept wird seit dem 12. Oktober 2020 gemeinsam mit dem Kieler Büro Treurat und Partner, der Klima und Energieeffizienzagentur aus Kassel sowie der international tätigen Firma Ramboll erarbeitet. Im Fokus des Vorhabens steht die Frage nach einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wärmeversorgung im Quartier. Ein in diesem Kontext hochinteressantes Projekt ist die geplante Massen-Algen-Kulturanlage (MAK) auf der Kläranlage der Stadtwerke Plön, durch die nicht nur das Abwasser der Kläranlage und der Kleine Plöner See gereinigt werden sollen, sondern in der auch Abwärme entsteht, die eine mögliche Quelle für ein Wärmenetz im Quartier darstellen könnte.

 

In den vergangenen Monaten wurden die Planungen durch die beteiligten Fachfirmen konkretisiert, sodass inzwischen fest steht, dass der vorhandene Wärmebedarf des Quartiers und der Kläranlage inklusive der geplanten Klärschlammtrocknung in Höhe von ca. 27.000 MWh größtenteils ganzjährig durch die auf der MAK entstehende Abwärme gedeckt werden könnte. Nur in den Wintermonaten sind gewisse zusätzliche Wärmemengen erforderlich, welche durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) auf der Kläranlage generiert werden würden.

 

Es sind zwei MAK-Module mit jeweils 250m2 Grundfläche vorgesehen, in denen im Sommer über 50% und im Winter 10 bis 20% des Kläranlagenablaufes weitergehend gereinigt werden. Hierbei werden vor allem die derzeitig vorhandenen Stickstoff- und Phosphoranteile eliminiert. Das aus den MAK-Modulen ablaufende Wasser wird durch Sonneneinstrahlung erwärmt und durch die Aktivität der Algen stark sauerstoffübersättigt sowie von Mikroschadstoffen und Schwermetallen größtenteils befreit sein. In einem nächsten Schritt ist geplant, dieses Wasser in Tiefenzonen zwischen 10 und 20m in den Kleinen Plöner See abzuleiten. Hierdurch wird der dortige im Sommer sauerstofffreie Bereich, aus dessen Sedimenten derzeitig große Mengen an Phosphor rückgelöst und große Mengen an klimafeindlichen Methan gebildet werden, wiederbelebt und das Gewässer somit saniert. Dieses Vorgehen wird seitens des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) und des Kreises Plön (Amt für Umwelt, Untere Wasserbehörde) ausdrücklich begrüßt.

 

Damit das Wasser in die Tiefenzonen absinken und dort verbleiben kann, muss es auf 4°C runtergekühlt werden. Durch die Abkühlung werden große Wärmemengen freigesetzt, die in einem BHKW-Wärme-Kälte-Verbundsystem auf 75 – 85°C erwärmt werden und somit der notwendigen Vorlauftemperatur für die Nutzung im Quartier Plön-Südwest entsprechen. Je nach der exakten Höhe des Wärmebedarfs können auch Teile des nicht durch die MAK-Module laufenden Abwassers heruntergekühlt und so eine Wärmemenge von etwas über 18.000 MWh/a nach Abzug aller Leitungsverluste für die Nutzung im Quartier produziert werden. Über eine Leitung durch den Kleinen Plöner See oder entlang der B76 würde die Wärme in das Quartier transportiert werden. Als Betreiber der Anlage und somit auch Anbieter der entstehenden Wärme sind die Stadtwerke Plön AöR vorgesehen.

 

Die Herausforderung in der Umsetzung der MAK liegt vor allem darin, die sehr hohen Investitionskosten von ca. zehn Millionen Euro decken zu können. An dieser Stelle kommt der vom Projektträger Jülich (PTJ) verwaltete Förderaufruf „investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ins Spiel (siehe angehängte PDF). Als finanzschwache Kommune könnte die Stadt Plön bei Antragstellung vor Ende 2021 von einer erhöhten Förderquote von bis zu 100% profitieren. Von der Erbringung eines Eigenanteils wäre man also möglicherweise befreit, was die Wirtschaftlichkeitsberechnung des Vorhabens deutlich positiver darstellen lässt. In der Summe wäre bei einer 100-prozentigen Förderung ein Wärmepreis von 5,19 ct/KWh für vollständig dekarbonisierte Wärme (BHKW betrieben mit Bio-Methan) bzw. von 4,452 ct/KWh für teilweise dekarbonisierte Wärme (BHKW betrieben zu 50% mit Erdgas und zu 50% mit Bio-Methan) möglich. Es ist geplant, als Verbundprojekt gemeinsam mit den Stadtwerken aufzutreten, wobei die Stadt als Fehlbetragskommune Antragstellerin sein muss, um eine Chance auf die 100-prozentige Förderung zu haben. Aus diesem Grund können die Stadtwerke selbst nicht Antragsteller sein.

 

Mit Blick auf die in der Vergangenheit geförderten Projekte (siehe beigefügte Liste), die geforderte Modellhaftigkeit (hohe Treibhausgasminderung im Verhältnis zur Fördersumme; Verfolgung bundesweiter klimapolitischer Ziele; besonderer und innovativer konzeptioneller Qualitätsanspruch; Einsatz bester verfügbarer Techniken und Methoden; Übertrag- bzw. Replizierbarkeit, überregionale Bedeutung und deutliche Sichtbarkeit mit bundesweiter Ausstrahlung) sowie die Zuwendungsvoraussetzungen wird der Förderaufruf als sehr passend für das Vorhaben und umgekehrt erachtet.

 

Da die MAK nicht nur einen Beitrag zur Sanierung des Kleinen Plöner Sees durch die Einleitung von gekühltem, gereinigtem und sauerstoffübersättigtem Wasser leisten würde, sondern durch diesen Prozess auch die Rücklösung von Methan und Lachgas im Seesediment verringert bzw. verhindert würde (auf CO2-Äquivalente umgerechnet in Höhe von 1.499t/a), würde auch ein erheblicher direkter Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen geleistet werden. Die Verdrängung fossiler Energien im Quartier Plön-Südwest durch die klimafreundliche Wärmeversorgung sowie die außerdem im Rahmen dieses Vorhabens geplante Klärschlammtrocknung auf der Kläranlage erhöhen den Anteil des reduzierten CO2 erheblich (um 4.191t/a). Insbesondere die Methan-Senke der Seesanierung würde zu einer vollständigen CO2-Neutralität führen, selbst wenn das BHKW nicht mit Bio-Methan sondern anteilig mit Erdgas betrieben werden würde. In der Summe zeichnet sich das Vorhaben somit durch einen sehr innovativen Modellcharakter mit erheblichem Potenzial für die nachhaltige Reduzierung von CO2 in der Stadt Plön aus.

 

Da es sich bei dem Förderaufruf um ein zweistufiges Antragsprozedere handelt, müsste zunächst im Rahmen der angehängten 14-seitigen Projektskizze bis zum 30.04.2021 das allgemeine Interesse bekundet werden, einen Förderantrag zu stellen. Die Antragsteller ausgewählter Projektskizzen werden anschließend zur Vorstellung des Vorhabens und zum Einreichen des offiziellen Förderantrags aufgefordert. Ziel des heutigen Tagesordnungspunktes ist es deshalb, eine Empfehlung des Ausschusses für die Ratsversammlung zum Einreichen der Projektskizze zu erwirken. Darauf basierend könnte die Ratsversammlung am 28.04.2021 den Beschluss zum Einreichen der Projektskizze fassen. Dieser erste Schritt wäre absolut unverbindlich, was die Umsetzung des Vorhabens betrifft, ist aber notwendig, um die Chance zu wahren, in einem zweiten Schritt möglicherweise o.g. Fördergelder beantragen zu können.

 

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Beschlussvorschlag

Der Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten, Umwelt und Tourismus befürwortet das Einreichen einer Projektskizze beim PTJ zur Realisierung der Massen-Algen-Kulturanlage auf der Kläranlage Plön zur Sanierung des Kleinen Plöner Sees und zur Gewinnung und Nutzung von Wärme für die Klärschlammtrocknung auf der Kläranlage Plön sowie für das Quartierskonzept Plön Süd-West und empfiehlt der Ratsversammlung entsprechend zu beschließen.

 

Die Ratsversammlung befürwortet die vorliegende Projektskizze zur Realisierung der Massen-Algen-Kulturanlage auf der Kläranlage Plön zur Sanierung des Kleinen Plöner Sees und zur Gewinnung und Nutzung von Wärme für die Klärschlammtrocknung auf der Kläranlage Plön sowie für das Quartierskonzept Plön Süd-West und bittet die Verwaltung diese fristgerecht zum 30.04.2021 beim PTJ einzureichen.

 

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Finanz. Auswirkung


 

Klimarelevanz & Begründung:

x

Positiv

 

Negativ

 

keine

 

Das Quartierskonzept Plön-Südwest zeigt Möglichkeiten auf, wie kurz-, mittel- und langfristig die Reduzierung von THG-Emissionen im Quartier gelingen kann. Die MAK auf der Kläranlage Plön ist ein wesentlicher Bestandteil der Planungen bzgl. der zukünftigenrmeversorgung des Quartiers und bietet vielfältige Möglichkeiten für die Reduzierung von THG-Emissionen sowie die einmalige Möglichkeit, ein investives Klimaschutzprojekt bis zu 100% gefördert zu bekommen. Das Einreichen der Projektskizze und ggf. eines späteren Förderantrags trägt somit möglicherweise entscheidend zum Erreichen der Klimaschutzziele der Stadt Plön bei und sollte deshalb weiterverfolgt werden.


 

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Anlagen

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