Der Plöner Bahnhof wurde von 2005 bis 2007 aufwendig umgebaut und ist seit 2008 Sitz der Tourist Info Plön.
Grundidee der damaligen Umgestaltung war die Schaffung einer modernen Anlaufstelle für Touristen und Einheimische unter Beibehaltung der denkmalgeschützten Gebäudefassade und einzelner Elemente im Inneren (z.B. hölzerne "Klaviertreppe" ins Obergeschoss). Der Innenbereich wurde komplett bis auf die statisch erforderlichen tragenden Wände entkernt, die mit Leuchtkuben in Szene gesetzt werden. Für die Umsetzungsqualität haben die Stadt und die verantwortlichen Architekten Hahn & Nagel den BDA-Preis Schleswig-Holstein gewonnen.
Das Konzept sieht verschiedene öffentliche Nutzungsbereiche im Erdgeschoss vor - den Counterbereich mit vier Arbeitsplätzen, das Bistro und den Veranstaltungsbereich. Das Obergeschoss ist im Rahmen der damaligen Sanierung nur mit geringem Aufwand renoviert worden, beinhaltet drei Büros mit sechs Arbeitsplätzen, einen kombinierten Besprechungs- und Sozialraum, eine kleine Küche und ein Mitarbeiter-WC.
Im Dachgeschoss wurden nur geringfügige stützende und Räumungsaufgaben vorgenommen, es ist weder energetisch saniert noch an die Haustechnik angeschlossen und nicht in irgendeiner Form nutzbar.
Seit dem Umzug der Tourist Info Plön hat sich der Raumbedarf bzgl. Arbeitsplätzen erhöht. Neben den bereits vorhandenen fünf Mitarbeiterstellen (verteilt auf sieben Mitarbeiter) und zwei Auszubildenden wurde eine weitere Teilzeitstelle für Marketing geschaffen. Zudem beherbergt der Bahnhof die Mitarbeiter der TZHS (aktuell zwei, ggf. Aufstockung um eine weitere Stelle). Die Nutzung der Arbeitsplätze im Obergeschoss entspricht bereits seit längerem nicht den Arbeitsplatzvorschriften (z.B. zwei Mitarbeiter in einem 6,5 qm-Büro). Die aktuelle Raumsituation verhindert zudem eine adäquate Betreuung der Auszubildenden sowie eine Beschäftigung von Praktikanten. Ein separater Personalraum fehlt gänzlich.
Die Gesamtsituation führt zu gravierenden Einschränkungen der Arbeitsweise und Problemstellungen in Bezug auf den Brand- und Arbeitsschutz.
Vor dem Hintergrund wurde bereits in 2018 im STEP beschlossen, ein Brandschutzkonzept für den Bahnhof in Auftrag zu geben und den Ausbau des Dachgeschosses zu prüfen (Leistungsphasen 1 - 3 - Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurfsplanung).
- Eine Begehung mit einem Brandschutzbeauftragen fand in 2019 statt, hier wurde deutlich, dass die größte Herausforderung beim Ausbau des Dachgeschosses die Schaffung eines genehmigungsfähigen ersten Fluchtwegs ist. Ein Brandschutzkonzept wurde in 2021 erstellt, das diese Einschätzung bestätigte. Es ist eine komplette Überplanung und Neubau des Treppenbereiches erforderlich vom Erdgeschoss bis zum Dachgeschoss.
- Die Fläche des Dachgeschosses ist nicht sehr groß, der Dachstuhl steil. Um einen adäquaten Raumgewinn zu erzielen, muss der Lichteinfall im Dachgeschoß deutlich erhöht werden. Hierfür ist entweder die Verbreiterung der bisherigen Fenster erforderlich, der Einbau eines Lichtbandes auf dem First oder die Schaffung zusätzlicher Fensterfläche im Dachbereich. Erste Abstimmungen mit der Denkmalpflege sind ebenfalls erfolgt. Erste Abstimmungen mit der Denkmalpflege sind ebenfalls erfolgt, es handelt sich bei den Planungen um voraussichtlich genehmigungsfähig, allerdings eingriffsstarke Maßnahmen.
Zwischenzeitlich sind weitere Aspekte zu beachten.
- Die jetzige Inneneinrichtung und Technikausstattung im Erdgeschoss sind knapp 15 Jahre alt und entsprechen weder gestalterisch noch technisch dem, wie aktuell moderne Tourist Informationen ausgestattet sind. Der Trend geht zu einer Wohlfühl-Lounge-Atmosphäre mit entsprechendem Mobiliar, einer warmen Raumgestaltung, individuellen Beratungsplätzen anstelle distanzierter Tresen, digitale Beratungselemente etc.
- Das ISEK für das Bahnhofsumfeld sieht eine komplette Überplanung des Bereiches vor, mit auch anderen Nutzungsangeboten (Fahrradverleih, Café).
- Die Corona-Epidemie hat auch massive Auswirkungen auf die Anforderungen an Tourist Infos allgemein und die Nutzungsintensität der verschiedenen Angebots- und Servicebereiche der Tourist Info.
Anfang November 2021 fand ein Gespräch mit einem der am Umbau beteiligten Architekten, Hr. Hahn vor Ort statt mit folgenden Ergebnissen:
- Die Einschätzungen des Brandschutzgutachtens teilt er uneingeschränkt. Aufgrund der Statik des Gebäudes sind starke Eingriffe, Abstützungsmaßnahmen, Deckenverstärkungen für die Umsetzung des ersten Fluchtwegs erforderlich. Bestätigt hat er zudem den unverhältnismäßig hohen Kosten-, Abstimmungs- und Genehmigungsaufwand für den zu generierenden Platzgewinn im Dachgeschoss. Die Gesamtkosten beziffert er grob mit 500.000 €.
- Er empfiehlt stattdessen vor dem Hintergrund der vielen Aspekte eine sinnvollere und sichtbarere Verwendung des Budgets und somit ganz klar eine Überplanung des Erdgeschosses und des Obergeschosses. Ziel für das Obergeschoss ist, die momentane Raumstruktur aufzulösen und eine Umwandlung in eine moderne Arbeitswelt (Raumgewinn durch Aufhebung des Kleingliedrigkeit, Schaffung von verschiedenen Zonen für verschiedene Arbeitsanforderungen) vorzunehmen. Das Erdgeschoss soll mit Blick auf die Anforderungen ebenfalls neu gedacht werden, einzige unverrückbare Elemente sind die Leuchtkuben (sind zudem urheberrechtlich geschützt).
- Ein nicht unerheblicher Vorteil diese Überlegung ist, dass die Umsetzung baugenehmigungsfrei erfolgen könnte, da die Genehmigungen von vor ca. 15 Jahren hinsichtlich des Brandschutzes Bestandskraft haben. Auch aus der denkmalschutzrechtlicher Sicht handelt es sich um deutlich eingriffsärmere Veränderungen.
Im Haushalt 2021 der Tourist Info Plön sind 42.000 € für Brandschutzmaßnahmen im Bahnhof (PSK 57500.52110000). Es wird vorgeschlagen, diesen Ansatz vor dem Hintergrund der Neuüberlegungen für eine erforderliche Entwurfsplanung und Abstimmung weiterer Schritt zu verwenden.
Wenn der GUT als tourismusfachlicher Ausschuss diesen Überlegungen zustimmt, erfolgt auch eine Information und Beteiligung des STEP.