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ALLRIS - Vorlage

Verwaltungsvorlage - VO/RV/2022/2440-1

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Beratungsfolge

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Sachverhalt

 Der TSV Plön hat in einer umfangreichen Stellungnahme und auch persönlich im zuständigen Ausschuss auf den andauernd schlechten Zustand der Sportrasenflächen, die hohe Belastung der beiden Plöner Sportplätze sowie die Auswirkungen auf den Fußballsport des Vereins hingewiesen.

Aufgrund der sehr hohen Anzahl an Nutzungsstunden speziell auf dem Ksour-Essaf-Trainingsplatz in Stadtheide, die zu einem großen Teil für den schlechten Zustand der Rasenfläche verantwortlich ist, hat der TSV den Wunsch nach einer Umgestaltung der Naturrasenfläche in eine belastbare und ganzjährig bespielbare Kunstrasenfläche geäußert. Durch den Wegfall der abgerissenen Sporthalle im Schiffsthal ist der Bedarf an ganzjährig nutzbaren Sportflächen nochmal gestiegen.

Von einer regionalen Fachfirma für Sportplatzbau wurden der Arbeitsgruppe verschiedene Kunstrasenmodelle vorgestellt (verfüllte, unverfüllte, unterschiedliche Füllmaterialien). Aufgrund der besonderen Lage des Ksour-Essaf-Platzes direkt am Suhrer See und unter Berücksichtigung dessen besonderer Schutzwürdigkeit wurde in den weiteren Gesprächen die Ausführung als unverfüllte Vollkunststoffrasenfläche zu Grunde gelegt. Bei dieser Variante wird kein Füllmaterial eingebracht und somit ist bei der Bespielung und der regelmäßigen Pflege des Platzes auch kein Austrag in die Umgebung zu befürchten. Diese Bauweise erleichtert außerdem die Pflegearbeiten erheblich.

 

Naturschutzrechtliche Einordnung:

Die Umwandlung der Naturrasenfläche in einen Kunstrasenplatz wird von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) nicht als Eingriff gewertet (B-Plan-Gebiet). Daher bedarf es keiner gesonderten Genehmigung durch die UNB. Des Weiteren sind keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und keine FFH-Prüfung erforderlich. Es wird aber bereits jetzt darauf hingewiesen, dass beim Bau, in der regelmäßigen Unterhaltung und durch die Benutzung zwingend sicher zu stellen ist, dass keine Mikroplastikteilchen in das FFH-Gebiet und das Vogelschutzgebiet eingetragen werden.

 

Sowohl für den Naturrasensportplatz als auch für den Kunsstoffrasenplatz gibt es eine große Bandbreite an Pro und Contras, die bei der Abwägung zu beachten sind. Diese werden im Folgenden dargestellt:

 

Naturrasen

 

pro

contra

 

ressourcenschonend in der Neuanlage und bei der Überarbeitung der Rasendecke, ausschließlich Verarbeitung von natürlichen Materialien (Erde, Sand, Saatgut); regelmäßige, kleinere Überarbeitungen mit Eigenmitteln im Rahmen der Pflege leistbar (Nachsaat, Unebenheiten ausgleichen)

 

 

Hoher Wasserverbrauch durch Bewässerung (Zunahme des Bedarfs durch Klimawandel zu befürchten; z.Zt. Entnahme des Gießwassers aus dem angrenzenden See, dadurch ressourcenschonendes Kreislaufprinzip)

 

Sehr positiver Einfluss auf die Umwelt

-          Sauerstoffproduzent

-          Luftfilter

-          klimaregulierend und bodenschützende Wirkung, temperaturausgleichend

 

 

Einsatz von Düngemitteln (Kosten, Aufwand, Auswaschungsgefahr in den sensiblen und geschützten Suhrer See)

 

Dauerhaft haltbar (bei guter, fachgerechter Anlage und regelmäßiger Pflege)

 

Regelmäßige Kosten und Aufwand für Mähen und Entsorgung des Schnittgutes (wenn nicht gemulcht wird), Bereitstellung und Wartung des Mähgerätes (Kosten)

 

 

Lebensraum (z.B. für Insekten und dadurch Nahrungsquelle für z.B. Vögel; mit Einschränkungen, da intensiv genutzte Fläche)

 

Regelmäßige, intensive Pflegeeinsätze wie Aerifizieren, Besanden, Bodenauftrag mit zusätzlichen Kosten und Aufwand erforderlich, um die Bespielbarkeit zu gewährleisten (nicht mit Eigenmitteln leistbar, externe Fachfirmen; zum jetzigen Zeitpunkt hoher Bedarf aufgrund eines Pflegerückstands)

 

 

Optik (natürliches Aussehen und naturgegebenen Veränderungen unterworfen)

 

Begrenzte Belastbarkeit (Abnutzung, Witterung, Schonzeiten einplanen bei erfolgter Nachsaat und Düngung)

 

 

 

Bei schlechtem Zustand hohe Verletzungsgefahr (Unebenheiten), dies ist zur Zeit der Fall

 

 

 

Kunststoffrasen

pro

contra

 

Kein Wässern und kein Düngen erforderlich (relativ ressourcenschonend in der Unterhaltung)

 

Einsatz einer Spezialmaschine durch gut geschultes Personal für die regelmäßige Pflege der Fläche (ca.1x/Woche) durch Aufbürsten des Rasenteppichs (und bei verfüllter Bauweise das Nachfüllen der Verschleißschicht), regelmäßige Laubentfernung, bes. in den Herbstmonaten  hoher Baumbestand ringsum/relativ viel Laub

 

 

Keine Gefahr von Auswaschungen überhöhter Nährstoffmengen durch falsche Düngung in die Umgebung (insbes. Suhrer See)

 

Kosten (zw. 8.000 und 9.000 € ca.) für die Anschaffung der Spezialmaschine für die regelmäßige Pflege, zusätzlich Kosten für Wartung und Verschleiß sowie Platz für die Unterbringung (Einsatz der Maschine setzt fachkundige Handhabung voraus, Schulung und große Sorgfalt bei der Bearbeitung erforderlich)

 

 

Hohe Belastbarkeit, dadurch sehr gute Benutzbarkeit bei (fast) jeder Witterung, auch von Vorteil, wenn das Schiffsthal-Stadion z.B. aufgrund einer Regenerationsmaßnahme oder anderweitiger Beanspruchung nicht zur Verfügung steht

 

Gefahr des Eintrags von Mikroplastik in die Umgebung durch Abrieb des Rasenteppichs und Herauslösen von Fasern (Füllmaterial nur bei verfüllter Variante, Füllmaterial wären Sand oder Sand/Kork-Gemische); mit Hilfe baulicher Anlagen (spez. Drainage-Filterschacht bzw. Sportrinne mit Filter, spezielle Fangzäune/Verwehungsschutz,  Auslaufzonen, Schuhbürsten, Abtrittroste) und der richtigen Pflege kann dieses Problem eingegrenzt werden; außerdem wichtig: das richtige und regelmäßige Reinigen der Pflegegeräte und das richtige Entsorgen des eingesammelten Unrats bei der Pflege der Fläche

 

 

Deutliche Verschärfung der zulässigen Grenzwerte gesundheitsschädlicher Stoffe in Kunststoffbelägen (sog. PAKs) durch neue EU-Verordnung 2021/1199 (in Kraft ab August 2022) zur Beschränkung möglicher Gesundheitsrisiken für Nutzer:innen von Kunststoffbelägen

 

Zeitlich begrenzte Haltbarkeit besonders bei der hohen Anzahl von Spielstunden auf der Fläche, nach ca. 12 bis max. 15 Jahren wiederholt hohe Kosten (jetziger Stand ca. 1/3 der ursprünglichen Baukosten des Rasenplatzes ohne Nebenanlagen, demnach ca. 200.000 €) für die Entsorgung des alten Belages und Verlegen des neuen Rasenteppichs und eine große Menge anfallender, zu entsorgender Abfall (Recyclingfähigkeit ist in Deutschland z.Zt. noch in der Entwicklung; in Holland wird bereits recycelt und das Material wieder für den Sportplatzbau/Unterbau verwendet), Stand heute wird das Abfall-Material in Deutschland in der Hauptsache thermisch verwertet; Recyclingverfahren sehr aufwendig, da viele unterschiedliche Materialien getrennt werden müssen

 

 

 

Starke Erhitzung bei hoher Sonneneinstrahlung (bei 23° bis zu 50° auf der Oberfläche Nonn, 2015), bei zeitversetzter Abkühlung (Speichereffekt), Auswirkungen auf das Mikroklima im Umfeld der Sportfläche und auf die Nutzer:innen; zusätzlicher Wasserverbrauch bei Kühlung der Fläche mit Wasser

 

 

 

Flächenversiegelung (trotz teildurchlässiger Bauweise), Rasenfläche und befestigte Nebenflächen

 

Technische Variante: Hybrid-Rasenfläche (Kombination aus Natur- und Kunstrasenplatz), in die Rasenarbe werden Kunststofffasern als Armierung eingearbeitet, was die Belastbarkeit der Rasennarbe verbessern soll. Auch hier ist die Entsorgung nach dem Ende der Nutzungszeit problematisch (Vermischung von Naturrasenmaterial mit Kunststofffasern, Trennen sehr aufwendig). Außerdem ist der Pflegeaufwand bei Erhaltungs- und Regenerationsmaßnahmen höher als bei Naturrasenflächen, insbes. höherer Wässerungsbedarf (Erwärmung der Fläche durch die Kunststoffarmierung). Herstellungskosten nur geringfügig niedriger als Voll-Kunststoffrasenplatz. 

 

Erforderliche Alternative:

Um die Bespielbarkeit und Belastbarkeit der beiden Sportplätze und damit die Benutzbarkeit durch die Plöner Sportler:innen nachhaltig wieder herzustellen, bedarf es - alternativ zur Umwandlung in einen Kunstrasenplatz - dringend einer grundlegenden Sanierung der Naturrasenflächen. Insbesondere auf dem Sportplatz in Stadtheide stellt der Zustand der Oberfläche ein hohes Verletzungsrisiko für die Fußballer:innen dar, was sich nicht mehr durch bloßes Oberbodenauftragen ausgleichen lässt. Zudem ist die Rasennarbe beider Sportflächen aufgrund verschiedener Ursachen nicht mehr im erforderlichen Maß für die hohe Zahl an Trainings- und Spielstunden belastbar und in den Jahreszeiten mit starken und regelmäßigen Niederschlägen nicht bespielbar. Der Wegfall einer zusätzlichen Sporthalle ist auf den Rasenflächen ablesbar.
 

Quellen:

FLL (HG.): Fachbericht Kunststoffsportböden - Nachhaltige Kunststoffbelagsauswahl für Sportfreianlagen, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL), Prof. Martin Thieme-Hack

Weitzel-Sportstättenbau, Broschüre Beratung, Planung und Bau, Moderne & nachhaltige Sportplätze aus einer Hand, Hans-Joachim Weitzel GmbH & Co. KG, Sportstättenbau, Tornesch

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Beschlussvorschlag

Variante 1:

 

Der Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten, Umwelt und Tourismus spricht sich für die Umwandlung des Ksour-Essaf-Sportplatzes in einen Kunstrasenplatz aus und beauftragt die Verwaltung mit der Planung und Umsetzung des Projektes unter Berücksichtigung der Beschaffung von Fördermitteln.

 

Variante 2:

 

Der Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten, Umwelt und Tourismus beschließt, die Sportplätze Schiffsthalstadion und Ksour-Essaf-Platz grundlegend und bedarsfgerecht zu sanieren und fachgerecht zu regenerieren, um die Bespiel- und Belastbarkeit wieder herzustellen. Dafür werden Haushaltsmittel in Höhe von 60.000 € in den Haushalt 2023 eingestellt.

 

Variante 3:

 

Der Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten, Umwelt und Tourismus beschließt, die Sportplätze Schiffsthalstadion und Ksour-Essaf-Platz grundlegend und bedarsfgerecht zu sanieren und fachgerecht zu regenerieren, um die Bespiel- und Belastbarkeit wieder herzustellen. Auf einem geeigneten Teilstück der Fläche des Ksour-Essaf-Sportplatzes soll außerdem die Anlage einer Kleinspielfläche als Kunstrasenfläche für Trainingszwecke erfolgen. Für die Sanierung der Sportplätze werden Haushaltsmittel in Höhe von 60.000 € in den Haushalt 2023 gestellt. Für die Realisierung der reduzierten Kunstrasenfläche sind durch die Verwaltung Fördermittel zu aquirieren.

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Finanz. Auswirkung

 

Finanzielle Auswirkungen:

Die Baukosten für die Gesamtanlage werden sich entsprechend einer vorläufigen Kostenschätzung auf ca. 1.000 000 € belaufen. Die Erneuerung des Rasenteppichs nach ca. 12 15 Jahren wird derzeit mit ca. 1/3 der Neubaukosten des Rasenplatzes (ohne Nebenanlagen) beziffert (derzeit ca. 200.000 €). Für die Anschaffung des Pflegegerätes sind ca. 8.000 9.000 € zu veranschlagen. Weitere jährliche Pflegekosten sind zu berücksichtigen, einschließlich einer fachgerechten Grundpflege (1x/Jahr) durch die Baufirma. 

 

Eine Finanzierung ist über entsprechende Fördermittel umzusetzen.

 


 

Klimarelevanz & Begründung:

 

Positiv

x

Negativ

 

keine

 

Die Summe der Faktoren hoher Ressourcenverbrauch, Flächenverbrauch und versiegelung (Rasenfläche plus befestigte Nutzungsflächen ringsum, örtliche, starke Erhitzung sowie die noch in der Entwicklung befindliche Entsorgungs- und Recyclingfähigkeit der Rasenteppiche lässt eine Bewertung mit positiver Klimarelevanz nicht zu. Die Problematik des Eintrags von Mikroplastiks ist ebenfalls als negativ zu bewerten.

 

Positiv zu bewerten sind jedoch die nicht mehr erforderliche Bewässerung sowie die ausbleibende Düngung (ressourcenschonend und begünstigend für die Sicherung des Naturraumes Suhrer See und Umgebung).
 

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