Dass trotz intensiver globaler wie lokaler Klimaschutzbemühungen der Klimawandel nicht aufzuhalten ist und unvermeidbare Herausforderungen auf die Welt und die Stadt Plön zugekommen sind und zukommen werden, lässt sich nicht mehr leugnen. Umso erstaunlicher ist es, dass die vom Ausschuss für Gesellschaft, Umwelt und Tourismus am 25.11.2021 mit 8 Ja-, 1 Nein-Stimme und 1 Enthaltung empfohlene und von der Ratsversammlung am 15.12.2021 mit 18 Ja- und 3 Nein-Stimmen und somit großer Mehrheit beschlossene, zunächst auf zwei Jahre befristete Stelle zur Einrichtung eines Klimaanpassungsmanagements vom Hauptausschuss am 08.08.2022 im Zuge der Beratung des Stellenplans 2022 mit 6 Ja- und 5 Nein-Stimmen wieder gestrichen wurde. Ein Antrag der SPD-Fraktion in der Ratsversammlung am 17.08.2022, die Stelle des Klimaanpassungsmanagements wieder in den Stellenplan 2022 aufzunehmen, scheiterte mit 8 Ja-, 10 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen nur knapp.
Der Förderantrag musste bedauerlicherweise daher für das Jahr 2022 zurückgezogen werden.
Den Aussagen im Verlauf der Beratungen, dass Plön und Schleswig-Holstein Profiteure des Klimawandels seien und dass das vorhandene Personal die Aufgaben eines Klimaanpassungsmanagements mit erledigen könne, möchte die Verwaltung der Stadt Plön mit dieser Vorlage entschieden widersprechen und erneut die Erforderlichkeit eines Klimaanpassungsmanagement in der Stadt Plön aufzeigen.
Im Detail lassen sich bereits jetzt folgende Auswirkungen des Klimawandels in Plön feststellen, deren Bewältigung durch Anpassungsmaßnahmen die Verwaltung der Stadt Plön als ihre Pflicht sieht und die mit vorhandenem Personal nicht zu bewerkstelligen ist:
- Umgang mit dem Baumbestand:
- Rindenschäden durch Sonnenbrand aufgrund einer höheren Zahl an Sonnenstunden und häufiger auftretenden Extremtemperaturen sowie dadurch bedingter Eintrag von Schädlingen, Pilzen und Fäulnis bis hin zum Absterben der Bäume
- Sinkende Lebenserwartung, Trockenstress und Verlust an Vitalität sowie Einschränkungen in der Funktion als Stadtbaum bzw. -wald (Schattenspender, Sauerstoffproduzent, Luftfilter, Wasserspeicher, Lärm- und Hitzepuffer, Raumbildner, Lebens- und Erholungsraum für Einheimische wie Tourist:innen, Nahrungsquelle, Grün in der Stadt, Wohlbefinden, ortsbildprägend) durch ausbleibende Niederschläge und steigende Temperaturen
- Daraus resultierende hohe und unkalkulierbare Kosten für Wundversorgung, Baumpflegemaßnahmen, Bewässerung und Neupflanzungen sowie Schulung des Personals für den richtigen Umgang mit den steigenden Anforderungen
- Erhöhter Verlust an Baumbestand, Lebensraum und -qualität, negative Veränderungen des Stadtbildes, Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit sowie Einschränkung der Benutzbarkeit städtischer Grünflächen durch eine erhöhte Anzahl der Fällungen und zunehmenden Sturmschäden; hierdurch bedingte Ausgleichspflanzungen an geeigneten Standorten
- Umgang mit Pflanzflächen/Beeten:
- Erhöhte Anforderungen an die Bewässerung, das Personal, die Kosten und die Auswahl der Pflanzen zur Sicherung wertvollen, innerstädtischen Lebensraumes
- Umgang mit Starkregen, anhaltenden Niederschlägen und Stürmen:
- Regelmäßige Veränderung der Wasserstände an den Seeufern mit Beeinträchtigungen für dort lebende Pflanzen und Tiere sowie Anwohner:innen
- Notwendigkeit der Entsiegelung und Zuführung von Niederschlagswasser durch Versickerung im Sinne einer „Schwammstadt“
- Umgang mit Hitze und Trockenheit bzw. der Bedarf an Kühlung:
- Gesundheitliche & soziale Einschränkungen
- Erhöhter Bedarf an Schatten- und Wasserspendern sowie Abkühlungsmöglichkeiten
- Gestiegene Notwendigkeit der Dach- und Fassadenbegrünung
- Gesellschaftliche Pflicht zur Sicherung der Trinkwasserversorgung beizutragen
- Auswirkungen auf Biodiversität und die Tier- und Pflanzenwelt:
- Veränderungen der Vegetationszeiten und somit der Fortpflanzungszeiten mit daraus resultierenden Herausforderungen für Flora und Fauna
- Veränderungen des Lebensraumes durch nicht heimische Arten mit daraus resultierenden Herausforderungen für Flora und Fauna
- Planerische Herausforderungen bei der Erhaltung und Schaffung innerstädtischer Grünflächen und Ausgleichspflanzungen als Beitrag zur Steigerung der Biodiversität und zur Steigerung der Lebensqualität
- Auswirkungen auf Stadtplanung und Bauen:
- Gestiegene Notwendigkeit Plön klimaangepasst, grün, lebenswert und nachhaltig zu entwickeln
Ob es weitere, derzeit unbekannte Klimarisiken und Handlungsfelder der Klimaanpassung in der Stadt Plön gibt, gilt es aus Sicht der Verwaltung im Zuge der Konzepterstellung heraus zu finden. Hierzu zählen vor allem Fragen der kritischen Infrastruktur (z.B. Schäden an/durch (Ab)Wasser, Verkehr, Energieversorgung, Gebäude). Dass sich die Einrichtung eines Klimaanpassungsmanagements lohnen wird und sehr wohl auch für die Stadt Plön von Relevanz ist, zeigen die Möglichkeiten, die dieser Schritt mit sich bringen würde:
Die Schaffung einer Stelle für ein Klimaanpassungsmanagement und die Erarbeitung eines Klimaanpassungskonzeptes könnte enorm dazu beitragen, ein lebenswertes Plön zu erhalten, sichern und klimaangepasst weiter zu entwickeln, insbesondere bezogen auf den öffentlichen Aufenthaltsbereich für die in Plön agierenden Menschen (Straßen, Wege, Parks, Wälder, Innenstadt, private Gärten).
Es würde konkrete Handlungsempfehlungen sowie einen Umsetzungsplan zum Ergebnis haben, wie die Stadt Plön sich den unvermeidbaren Veränderungen durch den Klimawandel anpassen kann. Eine intensive Auseinandersetzung mit Klimaanpassung mit Hilfe von Fachpersonal und externen Beraterbüros würde helfen, dieses Thema integrativ und fachbereichsübergreifend bearbeiten zu können. Es würde eine Grundlage geschaffen werden für ein resilienteres, fortschrittliches und vielfältiges Plön und Möglichkeiten für innovative, zeitgemäße (und hoch geförderte!) Maßnahmen eröffnen, für die es ohne ein Klimaanpassungsmanagement weder personelle noch finanzielle Kapazitäten gäbe.
Die vielen Handlungsfelder der Klimaanpassung können nicht vom vorhandenen Personal „nebenbei“ mit bedacht und bearbeitet werden, sondern brauchen eine konzeptionelle Basis, eine ausführliche Klimarisiken- und Potenzialanalyse sowie ein:e Koordinator:in, der/die das Thema – wie beim Klimaschutz – verwaltungsseitig betreut, Maßnahmen koordiniert, Förderanträge schreibt und Verwaltungsvorlagen vorbereitet.
Das vorhandene Personal (Klimaschutzmanagement & Umweltfachkraft) ist mit den Aufgaben in den Bereichen Klima- und Umweltschutz bzw. Baumpflege und Stadtgrünentwicklung bereits vollständig ausgelastet. Die Stelle für das Klimaschutzmanagement ist noch gefördert. Innerhalb dieser Förderprojekte dürfen die Mitarbeiter:innen auch nur die Tätigkeiten ausüben, für die die Förderung gewährt wird. Dies gilt auch für das Klimaanpasungsmanagement. Die Kommunen sind hierzu dem Fördermittelgebet gegenüber nachweispflichtig. Die vielen Anfragen in Sachen Klimaanpassung, die es bereits jetzt gibt, können schlichtweg nicht bearbeitet werden und bleiben zumeist leider unbearbeitet liegen. Auch für die Mitarbeitenden aus den anderen Fachbereichen ist es nicht möglich, die Aspekte Klimaanpassung ausreichend in ihre Arbeit einfließen zu lassen – zum einen aus zeitlichen Gründen und zum anderen, weil es keine konzeptionelle Grundlage und keine aus dieser hervorgehenden Strategie hierfür gibt. Beides kann die Einrichtung eines Klimaanpassungsmanagement jedoch liefern und zwar zu sehr guten Konditionen, denn die Rahmenbedingungen der Förderrichtlinie und die Förderquote (siehe VO/RV/2021/2387 sowie finanzielle Auswirkungen unten) sprechen nach wie vor für sich.
Im Rahmen der Stellenplandiskussion für das Jahr 2022 wurde u.a. angeführt, dass es unsinnig sei, „für jede neue Aufgabe ein „Management“ einzusetzen“ und dass dafür eher im Bereich „Planung“ eine dauerhafte, nicht geförderte personelle Aufstockung erfolgen sollte. Im Gegensatz zu einer solchen Stelle sind die Managementstellen hoch gefördert, befristet und es kann vor allem die notwendige Basis für die spätere Querschnittsbearbeitung in allen Fachbereichen durch Fachkräfte erarbeitet und etabliert werden. Es braucht aus Sicht der Verwaltung genau diese „Kümmerer“, um den immer komplexer werdenden Herausforderungen durch den Klimawandel gerecht zu werden. Noch mag es eine freiwillige Aufgabe der Kommune sein, aber ist sie das wirklich? Aus Sicht der Verwaltung ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Klimaanpassung genauso essentiell und alternativlos wie die Auseinandersetzung mit dem Klima- und Umweltschutz.