Fördermittel
Über das Fördermittelprogramm „Förderung der Innenstadtentwicklung und der Stadt- und Ortszentren (Innenstadtprogramm)“ konnten 2021 Fördermittel in Höhe von 100.000 € (Förderhöhe 75.000 €) für die Maßnahmen „Baumschutz Stadtgraben“ und „Umsetzung Grünflächengestaltungskonzept“ bei der IB.SH eingeworben werden.
Die Teil-Maßnahme „Umsetzung Grünflächengestaltungskonzept“ wurde 2022 umgesetzt und abgeschlossen. Es wurden Mittel in Höhe von 8.720,68 € aus dem Fördermittelbudget verwendet.
Die verbleibenden Mittel in Höhe von 91.279,32 € müssen bis Ablauf dieses Jahres verwendet werden, damit sie nicht verfallen. Davon wurden bisher ca. 5.000 € für die Voruntersuchungen am Standort einschließlich des Gutachtens verwendet.
Nach intensiver, politischer Diskussion verschiedener Möglichkeiten zur Erreichung des angestrebten Ziels der Standortoptimierung für die offensichtlich geschwächten Eschen im Bereich des Parkplatzes im Stadtgraben, begannen Ende 2023 die konkreten Vorbereitungen.
So wurden an zwei unterschiedlichen Standorten auf dem Parkplatz verschiedene Standortuntersuchungen unter anderem durch Einsatz eines Saugbaggers durchgeführt, um auf weitestgehend schonende Art und Weise in tiefere Bodenschichten vordringen zu können und zum Beispiel einen Bodenhorizont sichtbar zu machen, den tatsächlich durchwurzelten Raum zu dokumentieren oder mögliche Fäulnis durch Staunässe feststellen zu können. Es wurden Bodenproben zur weiteren Untersuchung auf Bodennähr- und Schadstoffe sowie zur Bodenfeuchte entnommen und Untersuchungen zur Staunässe durchgeführt. Im Mai 2024 erfolgte eine abschließende Bonitätsprüfung, bei der die Austriebswilligkeit der Bäume beurteilt wurde sowie eine Beurteilung der Vitalität stattfand. Fachlich begleitet und durchgeführt wurden diese Maßnahmen vom Gutachter Dr. Horst Stobbe vom Institut für Baumpflege aus Hamburg sowie vom mit der Herstellung der Kopflöcher beauftragten Baumpflegeunternehmen.
Es handelt sich um insgesamt 58 Eschen in 11 Baumreihen auf der Parkplatzfläche zwischen Kinopassage und Rondell sowie 14 Eschen im Rondell. Im vorderen Parkplatzabschnitt (direkt an der Einmündung der B430) befinden sich Ahorne und Eichen.
Ergebnisse der Untersuchungen
Im Wesentlichen wurden folgende Erkenntnisse aus den Untersuchungen gewonnen:
Zustand der Bäume:
- Schwacher Vitalzustand, Vitalitätsstufe 2 (0 – optimal, 3 – absterbend)
- Deutlich reduzierter Wuchs seit der Pflanzung (2005/2006)
- Keine Anzeichen des Eschentriebsterbens
- Erhaltenswert, Standortoptimierung sinnvoll
Standortbedingungen
- Keine Staunässe festgestellt
- Eher Wassermangel, sehr geringe Bodenfeuchte (trotz kräftiger Niederschläge zum Zeitpunkt der Untersuchung – 30.11. und 01.12.2023)
- Mangel an fast allen lebensnotwendigen und für den Baum erforderlichen Nährstoffen
- Hoher bzw. überhöhter ph-Wert
- Keine Schadstoffbelastung
- Daher: Boden grundsätzlich für Baumwachstum geeignet, da keine Kontamination
Daraus abgeleitete Ziele der Standortverbesserung
- Erhalt der Bäume an ihrem Standort
- Dauerhafte Verbesserung der Vitalität und somit Steigerung der Ökosystemleistungen (Kühlung, Verschattung, Luftreinigung, Erscheinungsbild des Parkplatzes, Lebensraum)
durch
- Gezielte Versorgung mit Nährstoffen (sofort und langfristig)
- Dauerhaft mögliche und effektive Bewässerung mit geeigneten technischen Hilfen/Einbauten
Möglichkeiten der Standortverbesserung/Maßnahmen
- Aufgrund der starken Nutzung als Parkplatzfläche sind die Maßnahmen nur im stark begrenzten Raum der Baumscheiben und teilweise in den verbindenden Streifen zwischen den Baumscheiben möglich
- Erweiterung der Baumscheiben aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse nicht möglich
- Bei 4 von 11 Baumreihen sind die Maßnahmen ausschließlich im Bereich der Baumscheiben möglich, da der umgebende Bereich gepflastert ist (Übergänge)
Schematische Vorstellung der erarbeiteten Varianten
Variante 1 (Reihen 1, 4, 5, 8 bis 11, verbundene Baumreihen)
- 1. Schritt: vorhandenen Oberboden 5 bis 10 cm tief absaugen (mittels Saugbagger)
- 2. Schritt: pro Baum jeweils zwei ca. 1 m tiefe Kavernen mit 15 bis 20 cm Durchmesser mittels Saugwagen im Bereich des Pflanzstreifens freisaugen und mit Kies in der Größe 2/16 verfüllen
- Ziel: Belüftung des Untergrundes sowie Schaffung einer Möglichkeit zur langfristigen Bewässerung auch durch anfallendes natürliches Niederschlagswasser
- 3. Schritt: vier Injektionen pro Baum im unmittelbaren Baumbereich mit geeignetem Baumdünger gemäß Bodennähr- und Schadstoffanalyse sowie zur pH-Wert Absenkung
- 4. Schritt: Auffüllen der Baumscheibe mit Kies 2/16 als Mulchschicht zur Verhinderung von Verdichtung durch Überlaufen und Verbesserung der Wasserhaltekapazität
- 5. Schritt: Anbringen von drei Wassersäcken pro Baum
Variante 2 (Reihen 2, 3, 6 und 7, Baumreihen ohne oberirdische Verbindung)
- Identische Ausführung wie Variante 1, aber aufgrund der Platzverhältnisse OHNE den Einbau der Kavernen
Variante 3 (Bäume im Rondell)
- Bäume Nr. 96 und 97 (an Elternhaltestelle) sowie 92 bis 95 (im weiteren Verlauf Richtung Schwentinebrücke) stehen auf stark überhöhten Standorten, wodurch das natürlich anfallende Niederschlagswasser oberflächlich abläuft und den Bäumen nicht zur Verfügung steht
- 1. Schritt: in ausreichendem Ausmaß Absaugen des Oberbodens
- 2. Schritt: pro Baum zwei Kavernen bis in 1 m Tiefe herstellen und mit Kies 2/16 befüllen
- 3. Schritt: vier Injektionen pro Baum (wie Varianten 1 und 2)
- 4. Schritt: Gießringe zur ausreichenden Wässerung einbauen (Säcke an diesem Standort ungeeignet), Durchmesser der Ringe je nach Standort bis zu 2 Meter
- 5. Schritt: mittels Kies 2/16 eine entsprechende Oberfläche herstellen
Leicht angepasste Variante für die 8 Eschen im Bereich des Sparkassen-Parkplatzes, die in einem abschüssigen Gelände stehen:
- Schritt 1 bis 5 identisch, allerdings Einbau eines halbkreisförmigen Gießringes
Mulchen aller Baumscheiben mit Kies
Zitat aus dem Gutachten von Dr. Horst Stobbe, Institut für Baumpflege, Hamburg
„Die starke Begehung der Standorte durch die Parkplatznutzer stellt aus mehreren Gründen ein Problem für die Bäume dar. Insbesondere die Trittverdichtung des Bodens ist hier zu nennen. Eine Abdeckung mit organischem Mulch oder auch eine Unterpflanzung ist hier nicht zielführend, da diese aufgrund der starken Begehung der Oberflächen nicht nachhaltig wäre. Die Verwendung eines Kieses in der Größe 2/16 zur einheitlichen Gestaltung der Oberflächen im Bereich der Parkplätze sowie an den Baumstandorten im Rondell wird favorisiert. Die mit Kies befestigte Oberfläche ermöglicht am besten und in der Regel dauerhaft ein Versickern von Regenwasser und ermöglicht auch spätere Düngergaben für eine dauerhafte Vitalitätsverbesserung der Bäume.“
Zusammenfassung
Zitat aus dem Gutachten von Dr. Horst Stobbe, Institut für Baumpflege, Hamburg
„Die untersuchten Bäume sind in einem ausreichenden guten Vitalitätszustand, weisen keine nennenswerten Schäden auf und sollten daher erhalten werden. Die Bodennähr- und Schadstoffanalyse ergab einen Mangel an fast allen Nährstoffen, einen überhöhten pH-Wert sowie eine mangelhafte Wasserversorgung. Staunässe ist augenscheinlich kein Problem an diesem Standort. Somit ist eine gezielte Standortverbesserung durch Austausch des Oberbodens, Belüftung durch mit Kies gefüllte Kavernen, Düngung und pH-Wert Absenkung durch Injektionen in die Baumscheiben sowie eine ausreichende Bewässerung erfolgversprechend. Diese soll in Anlehnung an die verschiedenen Standorte in unterschiedlichen Varianten erfolgen.“
Fördermittelverwendung/Kostenschätzung
Die verbliebenen Mittel aus dem zur Verfügung stehenden Fördermittelrahmen (75%ige Förderung) in Höhe von ca. 86.000 € werden nach vorliegender Kostenschätzung auskömmlich sein. Laut Kostenschätzung vom 24.06.2024 werden zur Umsetzung der beschriebenen Maßnahmen Kosten in Höhe von ca. 48.000 € zu erwarten sein.
Weiteres Vorgehen/Zeitschiene für die Umsetzung
- Beschluss der beschriebenen Maßnahmen am 04.07.2024 im Ausschuss für Soziales, Umwelt und Energie
- Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten zeitnah durch die Verwaltung
- Ausführung der Arbeiten ab ca. September 2024 bis Dezember 2024 (Ende des Fördermittel-Bewilligungszeitraumes)
- Für die Arbeiten wird abschnittsweise und temporär der Parkplatz gesperrt werden, daher ist eine Ausführung erst zum Ende der Tourismussaison vorgesehen
Pflege und Entwicklung
Bei den hier beschriebenen Maßnahmen handelt es sich um einen ersten wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigen und langfristigen Vitalitätssteigerung der Bäume. Diese wird dann erfolgreich und sichtbar sein, wenn die dringend erforderlichen Pflegemaßnahmen, insbesondere das Wässern, Düngen sowie eine fachgerechte Kronenpflege regelmäßig und dauerhaft durchgeführt werden.
Die Aufenthaltsqualität auf dem als Eingangstor zur Innenstadt fungierenden Parkplatz wird sich deutlich verbessern, wenn die Bäume eine gesunde und kräftig belaubte Krone entwickeln, die den Passanten und parkenden Fahrzeugen Schatten spenden und für ein angenehmes Klima und eine ansprechende Optik auf dem ansonsten großflächig versiegelten Parkplatzareal sorgen.